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Till Gerhard,

In „FOLK“ präsentiert Gerhard Gemälde in dem für seine Arbeiten mittlerweile charakteristischen Stil, eine Kombination aus Pop-Ästhetik, oft archetypischen Motiven und traumartigen Szenen mit inmitten der Natur platzierten Figuren. In seinen Öl- und Acrylgemälden verschwimmen medial geprägte Darstellungsformen mit imaginierten Welten und suggerieren einen eigenen Mikrokosmos, in dem sich die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auflösen. Der visuelle Raum, den der Maler schafft, liegt jenseits der rationalen und harmonischen Welten und vermittelt eine mysteriöse, teils beunruhigende Stimmung. 

 

Seine Figuren kehren dem Betrachter häufig den Rücken zu und markieren damit die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt. So in der Arbeit Day is Done. Das Gemälde zeigt die Silhouette einer langhaarigen Figur in Rückenansicht, die auf einen ruhig im Zwielicht daliegenden See blickt. Überlagert wird die Figur jedoch durch einen gestischen Farbguss in Neapelgelb und katapultiert damit die aus der Malerei eines Caspar David Friedrich vertraut erscheinende Szenerie in die Jetztzeit. Viele der Gemälde Gerhards zeichnen sich durch einen ganz eigenen Rhythmus aus, der sich oft aus einem disruptiven Element ergibt, das in die dargestellte Szene eindringt. Gerhards Bildwelt bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion. Seine figurativen Motive tragen auch immer Reste von Abstraktion in sich und Gerhards Können liegt in seiner Mehrdeutigkeit. Seine Bildwelt ist geheimnisvoll und schön zugleich, irritiert und verunsichert dadurch seine Betrachter. Zarte Farbspritzer verführen mit ätherischem Glanz, während schwere Pinselführung in starkem Kontrast zu bezaubernden Schnörkeln aus Tropfen, Spritzern und Schlieren steht. Licht wird in gespenstischen Farbtönen konzipiert, die den Leinwänden die Illusion geben, von innen zu strahlen. 

 

Till Gerhards Bilder erforschen den Konflikt zwischen Mensch und Natur. Gerhard nutzt ihre seltsame Präsenz als Aufbruch ins Surreale: Eine Hütte im Wald oder ein alter VW Bus sind sowohl fremd als auch beruhigend, da sich die umgebenden Landschaften dehnen, schweben und vor halluzinatorischer Orientierungslosigkeit aufwühlen. In diesem widersprüchlichen Kreuzzug für spirituelle Offenbarung und ideologischer Orthodoxie tummeln sich geisterhafte Gestalten verloren in ihrer von Thoreau inspirierten Suche nach Erleuchtung.