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ANTONIA GRUBER

Das Kernstück der Ausstellung stellt die raumgreifende Installation BIPOLAROID DISORDER, bestehend aus 1.254 Polaroids, dar. Sie erzählt mehrere Geschichten die einander durchdringen. In dieser Arbeit spielt ANTONIA GRUBER mit der Wahrnehmung und führt die Betrachter:innen mit gezielten Perspektiv-Wechseln, Deformationen und Abstraktionen in die Irre, indem sie die Polariods zu einem wandfüllenden Motiv zusammensetzt. 

 

Die einzelnen Polaroids, zeigen Ausschnitte des Körpers, bedrohliche Schatten und immer wieder Hände, mal in Abwehrhaltung, mal aggressiv nach den Körperteilen greifend. Die Motive sind Ausschnitte einer Performance, die in Ihrem Atelier durchgeführt und mit der Kamera festgehalten wurde. Die zu sehenden Motive scheinen sich zu wiederholen. Auf Grund der technischen Gegebenheiten der Polaroid-Kamera, stellt Gruber damit auf experimentell-radikale Weise die Reproduzierbarkeit des Bildes in Frage. Zudem zeigt jedes Polaroid durch Verwendung der Doppelbelichtung zwei Motive. Auf Grund dieses Prozesses Überlagern sich Informationen, löschen sich gegenseitig aus oder verstärken sich durch Über-/ oder Unterbelichtung selbst. Die ungeschützte Präsentation der Installation, die direkt auf die Wand geklebt ist, untermalt die Fragilität der Installation und die Verletzlichkeit der abgebildeten Person(en). 

 

ANTONIA GRUBER spielt bei dieser Arbeit mit  dem digitalen und analogen Format. Ausgehend von einen Ausgangsbild, das wandfüllend mit Hilfe eines Computerprogramms aus den zuvor gescannten Polaroids zusammen gesetzt wurde, entsteht ein wandfüllenden Bildwerk. Dabei ersetzen die Polaroids die Pixel des Bildes. Das Ausgangsbild wird in abstrahierter Form dargestellt. Die Polaroids bilden, von einem bestimmten Standpunkt aus gesehen, pixelgleich ein Bild, das die Betrachter:innen durch Bewegung im Raum zersetzen oder neu zusammen können. Neue Bildinhalte können sichtbar werden. 

Das in der Ausstellung gezeigte Video mit dem Titel THE GOOD WIFES GUIDE von 2021 nutzt Filme aus den 50er bis 60er Jahren als Ausgangsmaterial. 

Aus dem Filmmaterial aus den 50er und 60er Jahren wird das damalige vorherrschende Frauenbild ersichtlich. Heute wirkt es wie eine fremde Welt und doch begegnet Frau diesen veralteten Denkweisen nach wie vor. Mit Hilfe eines Deepfake Programms hat ANTONIA GRUBER in die Filmausschnitte ihr Gesicht über das der Protagonistinnen gesetzt. Im Video hört man eine männliche Siri Stimme, die in verlangsamter Stimme den Text aus dem Buch „Das Handbuch für die gute Hausfrau“ vorliest. Dieser Text ist einem Gerücht zufolge am 13. Mai 1955 in der Zeitschrift Housekeeping Monthly erschienen. Er beschreibt, wie sich eine gute Ehefrau verhalten soll. Im Zusammenspiel von Videomaterial und dem vorgelesenen Text eröffnet sich das Bild einer Frau, die gegen diese Vorschriften in unterschwelligen Handlungen rebelliert. 

 

Diese Serie T.T.C. (2014 - 2018) ist eine fotografische Auseinandersetzung der physischen und psychischen Fragilität des Menschen. Die Bilder verdeutlichen die Kluft zwischen Selbstdarstellung und Selbstwahrnehmung. Bei den überlebensgroßen, deformierten Schwarzweißportraits handelt es sich um digitale Fotos, die der analogen Manipulation unterzogen wurden. Der genaue Prozess wird nicht Preis gegeben und ist somit Teil des Werks. Inspirationen für die Arbeit zieht Antonia Gruber aus Einflüssen, denen Menschen täglich ausgeliefert sind und die uns auf unterschiedliche Weise in unserem Sein beeinflussen, manipulieren und prägen.